Düsseldorf, 24. November 2025. Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Lebensmittel-, Getränke- und Glasindustrie folgten der Einladung des Aktionsforums Glasverpackung zum 18. Trendtag Glas, der am 13. November 2025 in München stattfand. Ein echtes Highlight war der Auftaktvortrag von Professor Dr. Dr. h.c. Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts. Zu einem festen Programmpunkt gehören inzwischen die Shopper-Insights der GfK/YouGov, die stets wertvolle Einblicke liefern. Spannende Cases kamen in diesem Jahr von der Carl Kühne KG und dem Spezialisten für fermentiertes Bio-Gemüse Completeorganics. Auf der Agenda standen darüber hinaus Themen wie die PPWR und – als humorvolle, aber durchaus ernst gemeinte Einlage – ein Beitrag zu den Gefahren durch Cyberkriminalität.
Eingestimmt auf den diesjährigen Trendtag Glas wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von einem Trailer, der die Ergebnisse einer repräsentativen YouGov-Umfrage* zusammenfasste. Diese hatte das Aktionsforum Glasverpackung im August 2025 in Auftrag gegeben, um mehr über die Verpackungsvorlieben der Deutschen zu erfahren. Das erfreuliche Resultat: Glas ist mit großem Abstand Konsumentenliebling. 45 Prozent der Befragten bevorzugen eindeutig Glasverpackungen, 15 Prozent Karton, 11 Prozent PET und 4 Prozent Metall (21 Prozent haben keine Präferenz). Das ist ein starkes Ergebnis und ein klares Signal an die Lebensmittel- und Getränkeindustrie – ebenso wie an den Handel. Offiziell eröffnete Dr. Florian Herrmann, Mitglied des Landtags, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei und Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Medien für das Land Bayern anschließend per Videogruß den Trendtag Glas 2025 im Kohlebunker – einer Eventlocation mit viel Industriecharme aus Beton und Glas in der Motorworld München. Er überbrachte herzliche Grüße der Bayerischen Staatskanzlei sowie von Ministerpräsident Dr. Markus Söder.
„Die Behälterglasindustrie braucht bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen“
Für das Aktionsforum Glasverpackung ergriff Karsten Fuchs, neuer Vizepräsident des Bundesverbands Glasindustrie e.V., das Wort. Er schilderte die aktuell angespannte wirtschaftliche Situation der Behälterglasindustrie in Deutschland. Maßgeblich verantwortlich dafür seien die allgemeine Konsumstimmung und die hohen Energiekosten. Die Einführung eines Industriestrompreises wertete Fuchs als gutes Signal, das Grund zur Hoffnung gebe. Der Bundesverband Glasindustrie e.V. setzt sich intensiv dafür ein, die Rahmenbedingungen für die Produktion von Glas so zu gestalten, dass sie am Standort Deutschland weiterhin möglich ist. „Es kann nicht im Interesse der Politik sein, dass sich ganze Wertschöpfungsketten aus Deutschland verlagern, weil die Herstellung von Glas hier wirtschaftlich nicht mehr machbar ist“, betonte Fuchs.
Wie kommt Deutschland wieder zu Wachstum?
Dieser Frage widmete sich der Präsident des ifo Instituts Professor Dr. Dr. h.c. Clemens Fuest in einem spannenden und hochaktuellen 40-minütigen Vortrag „Die deutsche Wirtschaft: Wende oder Krise ohne Ende“. Er zeigte zu Beginn ein eher deprimierendes Bild: Der ifo Geschäftsklimaindex ist in den vergangenen fünf Jahren deutlich gesunken, die Konsumkonjunktur gemäß GfK-Konsumklima und HDE-Konsumbarometer spürbar gedämpft. Für die nächsten Jahre prognostiziert das ifo Institut eine leichte Erholung und rechnet mit einem BIP-Zuwachs von 0,2 Prozent für 2025 sowie 1,3 Prozent für 2026 und 1,6 Prozent für 2027 (Stand: Herbst 2025). Der private Konsum zeigt sich ähnlich schwach wie das BIP. Deutlich schlechter sieht es bei den Investitionen der privaten Wirtschaft aus. Sie bewegen sich auf dem Niveau von 2015 und haben den Tiefstand der letzten 10 Jahre erreicht. „Gleichzeitig steigen die Staatsausgaben, als gäbe es keine Krise“, sagte Fuest. „Das geht so nicht.“ Das Sofortprogramm der Bundesregierung bewertete er differenziert. Für „wachstumsorientiert“ hält er eine Senkung der Körperschaftssteuer ab 2028 sowie eine F&E-Förderung. „Gute Ansätze“ sieht Fuest im Bürokratieabbau und in der Abschaffung des Lieferkettengesetzes. Und Potenzial mit „noch viel Arbeit“ hat seiner Auffassung nach eine Technologie- und Start-Up-Offensive, die existenziell für zukünftiges Wachstum sei – vor allem zum Ausgleich des demografischen Wandels. Innovation, Bürokratieabbau, eine Reform von Bürgergeld bzw. Grundsicherung sowie der Abbau von Handelshemmnissen für Dienstleistungen innerhalb der EU – das sind laut Fuest die vier wesentlichen Ansatzpunkte für eine Reformagenda, über die Deutschland wieder zu Wachstum kommen könne. Und darauf hoffen alle!
„Besser als Gemüse – perfekt im Glas verpackt“
So lautete der Case von Boris Varchmin, Co-Founder und Geschäftsführer von Completeorganics, der mit fermentiertem Bio-Gemüse eine Erfolgsgeschichte präsentierte. In nur fünf Jahren konnte das Unternehmen seinen Umsatz verzehnfachen. Zur Produkt-Range zählen drei Hot-Sauces sowie zehn verschiedene Gemüsesorten. Varchmins großes Ziel: mit Naturprodukten eine echte Alternative zu hochverarbeiteten Lebensmitteln bieten. „Die Fermentation ist die älteste und natürlichste Konservierungsmethode, die gesundheitsfördernde Aspekte mit einer langen Haltbarkeit vereint“, erläuterte er. Auf eine Pasteurisierung und Konservierungsstoffe können seine Produkte darum verzichten. Gekühlt werden müssen sie allerdings. In rund 5.000 Bioläden, Reformhäusern und Supermärkten sind die Kimchi-Gemüsegläser inzwischen gelistet. International exportiert Completeorganics mittlerweile in neun Länder. Das Kimchi Original wurde 2025 sogar mit dem Label „Bestes Bio“ ausgezeichnet. „Der Bereich der asiatischen Lebensmittel ist das größte wachsende Segment im LEH“, stellte Varchmin fest. Die Glasverpackung war von Anfang an gesetzt. „Ein Produkt, wie wir es herstellen, passt nur in eine Glasverpackung“, fasste er zusammen. „Bestes Gemüse, bestens verarbeitet, braucht die beste Verpackung. Deshalb war Glas für uns alternativlos.“
Eine neue Rahmenordnung für Verpackungen – wie weit reicht die PPWR?
Die PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation) ist seit Februar 2025 in Kraft – viele Bestimmungen sind für 2030 und später vorgesehen. Was genau kommt mit der PPWR auf die lebensmittel- und getränkeabfüllende Industrie zu und wie müssen sich Verpackungen verändern? Diesem wichtigen Thema widmete sich Dr. Carl Dominik Klepper, Vorstandsvorsitzender Allianz Verpackung und Umwelt (AVU). Im Zentrum der neuen Rahmenverordnung für Verpackungen stehen dabei vor allem die Aspekte Recyclingfähigkeit, Minimierung von Verpackungen, Rezyklategehalt und Mehrwegfähigkeit. Fest steht, dass jede Verpackung ab 2030 recyclingfähig sein muss. Dafür gelten drei Stufen: Bei einer Recyclingfähigkeit von weniger als 70 Prozent gibt es ein Vermarktungsverbot. Stufe C soll ab 2038, so der aktuelle Stand, nicht mehr zulässig sein. „Die Glasindustrie ist angesichts ihres hohen Einsatzes von Altglasscherben in puncto Recyclingfähigkeit sehr gut aufgestellt“, lobte Klepper. Bezüglich der Mehrwegquoten für Getränkeverpackungen sei vor allem der Handel gefragt. Denn ab 2030 müssen Endvertreiber mit einer Verkaufsfläche von über 100 m2mindestens 10 Prozent Mehrweg im Angebot haben – 2040 soll diese Quote auf 40 Prozent steigen. Das könnte, so Klepper, einen positiven Einfluss auf den Absatz von Mehrweg-Getränkeflaschen haben. Und darüber hinaus gilt ebenfalls: Ab 2030 müssen Verpackungen hinsichtlich Gewicht und Volumen minimiert sein.
Cyberkriminelle im Darknet
Darum ging es nach der Mittagspause in der humorvollen Einlage von Tobias Schrödel. Der IT-Sicherheitsexperte, Computerexperte im TV, Autor und erster Comedyhacker® schaffte es, sehr anschaulich und mit einigen Experimenten für die Gefahren der Cyberwelt zu sensibilisieren. Über 90 Prozent der Hackerangriffe kommen über E-Mails mit Anhängen. Die E-Mail-Adressen sind dabei täuschend ähnlich zu denen vertrauenswürdiger Absender.Schrödels Aufforderung lautete daher: „Schauen Sie genau hin, bevor Sie einen Anhang öffnen – im Zweifelsfall fragen Sie nach.“ Denn eine solche Mail kann für Unternehmen ernsthafte Folgen haben: Datenverschlüsselung, Datenklau und Erpressung. 451.000 US-Dollar Lösegeld verlangen sogenannte Ransomware-Banden im Durchschnitt von ihren Opfern. Im Darknet lässt sich live verfolgen, welche Unternehmen gehackt wurden – und es ist möglich, deren Daten einzusehen, wenn das Lösegeld nicht gezahlt wird. Kaufen kann man dort unter anderem auch jede Menge gestohlene Passwörter. Schrödel appellierte an das Publikum, sich starke Passwörter zuzulegen, ein Passwort niemals für verschiedene Anwendungen zu nutzen und die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu aktivieren. Idealerweise werden Passwörter in einem digitalen Passwort-Tresor verwaltet. Generell gilt: Vorsicht und eine gesunde Portion Skepsis – denn angesichts der wachsenden technischen Möglichkeiten lassen sich auch Rufnummern, Stimmen und sogar Bewegtbilder manipulieren.
Wandel verstehen – Wachstum gestalten: Shopper-Bedürfnisse neu denken
Die Polarisierung der Gesellschaft nimmt zu – das war die einleitende These von Anna-Katharina Kraus, Senior Director Insights & Future Growth, YouGov Shopper. Ein gefühlter Verlust an Selbstwirksamkeit trifft dabei auf zahlreiche wahrgenommene Verbote: „Ich darf nichts mehr sagen, essen, kaufen.“ Das führt zu einer Reaktanz, die wir aktuell beobachten! Gleichzeitig blicken immer mehr Deutsche pessimistisch in die Zukunft. Die Auswirkungen auf das Kaufverhalten sind dabei aktuell sogar eher positiv. Die Menschen wollen wieder mehr Spaß am Leben haben und sich etwas gönnen! Zudem wächst „Das Bestreben nach Selbstoptimierung, die Bedeutung von Resilienz und mentaler Gesundheit steigt, der Bedarf nach Premium-Produkten nimmt zu“, erklärt Kraus die Entwicklungen. Im Trend liegen alkohol- und zuckerfreie Produkte ebenso wie Proteinprodukte und Supplements. Funktionale Drinks und Wasser mit Zusätzen greifen diesen Trend auf. Lebensfreude wird für die Shopper immer wichtiger – allerdings im Einklang mit ihrer Gesundheit. Das unterstreicht auch der weitere Erfolg der Ready-to-Drink-Getränke in der Glasflasche, die weiter neue Käufer anlocken. Im ersten Halbjahr 2025 profitierten vor allem Premium-Hersteller und auch Premium Handelsmarken von Umsatzzuwächsen. Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit einer querfinanzierten Premiumisierung: Verbraucher sparen in manchen Bereichen, um sich in anderen bewusst höherwertigere Produkte zu gönnen. „Insgesamt erholt sich der AFG-Markt wieder und Glas gewinnt auch innerhalb des wachsenden Marktes an Bedeutung“, fasst Kraus die Faktenlage zusammen. Und da ist sich die Shopper-Expertin mit Professor Fuest einig: Innovationen treiben das Wachstum. Eine erfreuliche Botschaft!
Verpackungsentwicklung – Herausforderungen und Chancen für die Behälterglasindustrie
Mit einem Umsatz von 427 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2023/24, 1.500 Mitarbeitenden und einer Markenbekanntheit von 90 Prozent gehört Kühne zu den führenden Lebensmittelherstellern in Deutschland. Die Marke steht für Tradition und ausgeprägten Innovationsgeist. 2025 brachte Kühne verschiedene neue Konzepte auf den Markt: die Dressings „Sweet Onion“ und „Balsamico Feige“, das Gurkenwasser in Shot-Form „Kater Hero“ sowie den Essig-Mix „Trink Apfel“. „Innovation bedeutet für uns immer auch, Verantwortung zu übernehmen – besonders beim Thema Glas“, sagte Maxi Hoyer, R&D Packaging Developer bei der Carl Kühne KG. „Denn Glas ist zu 100 Prozent recycelbar, unterstützt die Kreislaufwirtschaft und schont Ressourcen.“ Am Beispiel der klassischen, ikonischen Dressingflasche von 1973 beschrieb Maxi Hoyer den Verpackungsentwicklungsprozess bei Kühne – angefangen beim direkten Konsumentenfeedback, das in die Verpackungsentwicklung einfloss, bis hin zu einem umfassenden Anforderungsprofil an Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und Markenwirkung der neuen Glasflasche. Das Ergebnis ist eine moderne Dressingflasche, die mit 28 Prozent weniger Glasgewicht auskommt, jährlich 984 Tonnen Glas einspart und Platz für 192 zusätzliche Flaschen auf einer Palette ermöglicht. Ein weiterer positiver Effekt: Das neue Design fördert den Kaufimpuls. Das Kühne-Konzept ist aufgegangen.
Bildmaterial zum Download finden Sie hier.
Bildnachweis: Aktionsforum Glasverpackung/Marc Thürbach
*Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 15. und 18.08.2025 insgesamt 2011 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.
